Wie die Esoterik/Spiritualität die Wissenschaft für sich einnehmen will
Die spirituell-esoterische Ideologie und Weltanschauung will mehr und mehr die Wissenschaft für sich einnehmen und ideologisch umdeuten.
Begriffe wie „Energie“, „Schwingung“, „Frequenz“, „Bioplasmatischer Körper“, „Morphogenetisches Feld“, „Resonanz“, „Quantenfeld“, „Matrix“ und andere haben in spirituell-esoterischen Diskursen Konjunktur. Sie erscheinen in Ratgebern, auf Seminar-Websites und in sozialen Medien – oft in einem sprachlichen Gewand, das stark an Physik oder Biologie erinnert. Diese vermeintliche Nähe zur Wissenschaft ist jedoch nur rhetorischer Natur.
Aus dem Artikel „Esoterik/Spiritualität – Beschreibung und biblische Bewertung“ wissen wir, dass die Esoterik/Spiritualität letztlich darauf abzielt, alle Religionen und Weltanschauungen in sich zu vereinen. Darüber hinaus ist sie bestrebt, zunehmend auch die Wissenschaft im Sinne ihrer Ideologie zu beeinflussen.
Die Beeinflussung der Wissenschaft durch spirituell-esoterische Ideologien schreitet voran
Seit Jahren entwickelt sich ein immer stärker werdender wissenschaftlich auftretender Zweig der Esoterik / Spiritualität. Dieser versucht die rational-analytisch denkende Wissenschaft sowie nichtreligiöse, eher humanistisch orientierte Menschen für die spirituell-esoterische Weltanschauung zu gewinnen. Wissenschaft und Religion sollen nach esoterischem Verständnis in einer Synthese zusammengeführt werden, wobei die Esoterik / Spiritualität selbst als verbindendes Element dienen soll.
Ein bekannter Vertreter dieses wissenschaftlich geprägten Zweiges ist der österreichische Physiker Fritjof Capra (geboren 1939). In seinem Buch „Das Tao der Physik“ (erschienen 1975) versucht er, Übereinstimmungen zwischen fernöstlicher Mystik und Philosophie einerseits sowie moderner Physik andererseits aufzuzeigen. Zusammen mit weiteren Veröffentlichungen (z. B. „Wendezeit“, erschienen 1983) erreichte er hohe Auflagen.
In jüngerer Zeit wird insbesondere die Quantenphysik als Paradebeispiel herangezogen, um eine Verbindung von Wissenschaft und Religion zu begründen. Geist und Materie sollen sich demnach auf der Ebene der Quanten begegnen und nicht mehr voneinander unterscheidbar sein. Der Geist soll maßgeblich auf die Materie einwirken und sie beeinflussen können. Weiteres hierzu finden Sie unter „Quantenheilung“.
In der Alternativmedizin begegnen uns viele spirituell-esoterische Heilverfahren als wissenschaftlich
Gerade in der Alternativmedizin begegnen uns zahlreiche spirituell-esoterische Heilverfahren, denen ein wissenschaftlicher Hintergrund zugeschrieben wird. Zunehmend werden solche Verfahren in ein wissenschaftliches Gewand gekleidet, um ihnen größere Seriosität zu verleihen und ihre Akzeptanz zu steigern. Begriffe wie Energie, Schwingungen, Matrix, Quanten, Information, kosmische Kräfte, biodynamische Kräfte, Biophotonen oder Lichtteilchen, Frequenz, Hologramm, Morphogenetischer Körper, Bioplasmatischer Körper, Resonanz und andere werden dabei als natürliche, physikalische oder wissenschaftlich belegte Größen dargestellt, obwohl sie in diesem Zusammenhang keine anerkannte wissenschaftliche Bedeutung besitzen. Die Esoterik/Spiritualität deutet wissenschaftliche Begriffe um und integriert sie in ihr eigenes Weltbild.
Hier drei Beispiele dafür:
1. „Energie“
In der Physik ist „Energie“ ein exakt definierter Begriff. Sie beschreibt die Fähigkeit eines Systems, Arbeit zu verrichten, und ist eine messbare Größe mit klarer Einheit (Joule). Ob kinetische Energie, potenzielle Energie, chemische Energie oder thermische Energie – stets handelt es sich um quantitativ erfassbare Zustandsgrößen innerhalb klar formulierter Theorien wie der klassischen Mechanik oder der Thermodynamik.
Im menschlichen Körper liegt Energie beispielsweise in Form von ATP (Adenosintriphosphat) vor. ATP wird bei körperlicher Aktivität in den Muskeln durch Oxidation verbrannt.
In der Esoterik/Spiritualität hingegen versteht man unter Energie eine übernatürliche, spirituelle Kraft, die durch bestimmte Heilverfahren aktiviert werden könne. Diese Energie wird als Träger und Vermittler göttlicher Informationen betrachtet und hat mit der physikalischen Energie nichts gemeinsam. Weiteres dazu unter Energien, Schwingungen und kosmische Kräfte.
2. „Schwingung und Frequenz“
In der Physik bezeichnet eine Schwingung eine periodische zeitliche Änderung einer physikalischen Größe, etwa bei einem Pendel oder einer elektromagnetischen Welle. Frequenz ist die Anzahl der Schwingungen pro Zeiteinheit, gemessen in Hertz.
Schwingungen können sich beispielsweise als Schallwellen im Raum ausbreiten und sind mit geeigneten Messgeräten erfassbar.
In spirituell-esoterischer Deutung hingegen beschreiben „Schwingungen“ den Intensitätsgrad einer spirituellen Energie. Je höher der angebliche Schwingungsgrad, desto wirksamer soll diese Energie sein. Solche spirituell-esoterisch verstandenen Schwingungen sind jedoch nicht messbar.
3. „Morphogenetisches Feld“
Der Begriff des „morphogenetischen Feldes“ geht ursprünglich auf den Biologen Rupert Sheldrake zurück. In der Entwicklungsbiologie beschreibt „Morphogenese“ die Entstehung von Form und Struktur in Organismen – ein realer Forschungsbereich.
Sheldrakes Hypothese einer „morphischen Resonanz“ postuliert jedoch ein nicht-materielles Informationsfeld, das Formen und Verhalten über Raum und Zeit hinweg beeinflusst. Diese Annahme ist empirisch nicht belegt und wird in der Biologie weitgehend abgelehnt.
In spirituell-esoterischen Kontexten wird daraus oft ein energetisches „Informationsfeld“ bzw. eine „Aura“ (das soll ein Energiefeld um den Körper sein) gemacht. Für diese Aura werden auch synonyme Begriffe wie „Bioplasmatischer Körper“, „Feinstofflicher Körper“ oder „Energiekörper“ gebraucht. Eine messbare, experimentell bestätigte Grundlage existiert hierfür nicht.
Auf dieses Energiefeld sollen Menschen intuitiv therapeutisch zugreifen können (z.B. durch Auramassage oder Aura-Healing).
Es ließen sich zahlreiche weitere Beispiele anführen, in denen etablierte wissenschaftliche Begriffe stillschweigend umgedeutet und missbräuchlich verwendet werden. Vielen Verbrauchern fällt diese Bedeutungsverschiebung nicht auf. Die beschriebenen spirituellen Kräfte werden häufig als normale physiologische, physikalische oder natürliche Kräfte dargestellt. Entsprechend unkritisch werden energetische oder spirituelle Heilverfahren oftmals angenommen.
Biblische Bewertung der spirituell-esoterischen Sicht der Wissenschaft
Esoterische Heilverfahren zielen darauf ab, energetische, kosmische, geistartige, biodynamische oder schwingungsbezogene Kräfte wirken zu lassen. Diese werden als übernatürliche spirituelle Kräfte verstanden, deren Ursprung Gott zugeschrieben wird. Auch wenn solche Verfahren mit wissenschaftlicher Terminologie beschrieben oder teilweise wissenschaftlich erklärt werden, geht es ihrem Selbstverständnis nach um das Wirken dieser spirituellen Kräfte. Vermeintlich göttliche Kräfte sollen dabei zur Anwendung kommen. Mehr dazu unter dem Artikel Energien, Schwingungen und kosmische Kräfte – Beschreibung und biblische Bewertung.
In diesem Artikel findet eine ausführliche biblische Bewertung mit vielen Bibelstellen statt.
Das wissenschaftliche Einkleiden esoterischer Heilmethoden dient dazu, ein breiteres Publikum zu erreichen, die Attraktivität der Therapien zu steigern und größere Seriosität zu vermitteln. Gleichzeitig soll auf diese Weise ein Einfluss auf wissenschaftliche Bereiche ausgeübt werden. Ziel ist es, die Gesellschaft insgesamt mit der spirituell-esoterischen Weltanschauung zu durchdringen.
Eine wissenschaftliche Belegbarkeit von alternativen Heilverfahren greift nicht mehr
Für Christen ist eine Bewertung allein anhand des wissenschaftlichen Erscheinungsbildes oder sogar der wissenschaftlichen Belegbarkeit eines alternativen Heilverfahrens kein ausreichendes Kriterium, um dessen Anwendung als unbedenklich einzustufen.
Es gibt Christen, die alternative Heilverfahren ausschließlich anhand ihrer wissenschaftlichen Belegbarkeit bewerten. Nach diesem Verständnis gilt: Ist ein Verfahren wissenschaftlich belegt, können keine okkulten Kräfte wirken; ist es nicht belegt, bestehe eine okkulte Gefahr.
Diese Sichtweise greift meines Erachtens zu kurz. Christen sollten sich an Gott wenden und anhand der Bibel (die Heilige Schrift) prüfen, ob ein bestimmtes Heilverfahren mit dem christlichen Glauben vereinbar ist.
„Denn alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk ausgerüstet“ (2. Timotheus 3,16–17).
Es gibt durchaus alternative Heilverfahren, die wissenschaftlich relativ gut untersucht sind und in Kliniken oder Rehabilitationseinrichtungen Anwendung finden, die jedoch aus biblischer Sicht nicht tragbar erscheinen.
Yoga und Geistheilung als Beispiele
So wurden beispielsweise zum Yoga mehrere wissenschaftliche Studien durchgeführt, die eine Reduktion von Rückenschmerzen, eine Verbesserung von Nackenverspannungen, eine Senkung des Blutdrucks sowie eine positive Beeinflussung von Stresssymptomen und Migräne belegen. Dennoch wird Yoga aus biblischer Sicht abgelehnt. Ähnlich verhält es sich mit dem Autogenen Training, für das ebenfalls Studien eine schmerzlindernde und entspannende Wirkung sowie eine Senkung von Muskelspannung und Blutdruck nachweisen. Auch dieses Verfahren wird als dem spirituell-esoterischen Bereich zugehörig angesehen.
Es existieren zudem wissenschaftliche Forschungen zur Wirkungsweise von Geistheilungsverfahren. In Studien mit Probanden, die von einem Geistheiler behandelt wurden, zeigten sich in bestimmten Hirnarealen erhöhte Aktivitäten sowie eine gesteigerte Durchblutung. Bei Epileptikern wurde teilweise eine Reduktion von Krampfanfällen beobachtet. Bei anderen Probanden ließ sich eine erhöhte Durchblutung und Stoffwechselaktivität in den behandelten Körperregionen mittels Wärmebildkamera nachweisen. Dennoch wird auch die Geistheilung – selbst bei nachweisbaren Effekten – aus biblischer Sicht abgelehnt.
Fakt ist:
Fakt ist, dass manche wissenschaftlich untersuchten und erklärbaren Heilverfahren dennoch aus Sicht der Bibel nicht als gut oder unbedenklich bewertet werden müssen.
Ebenso gilt, dass manche alternative Heilverfahren zwar wissenschaftlich erscheinen, tatsächlich jedoch keine wissenschaftliche Grundlage besitzen, sondern lediglich spirituell-esoterisches Vokabular als wissenschaftliche Terminologie ausgeben.
Weitere Beschreibungen zur Esoterik bzw. der Spiritualität und deren biblischen Bewertungen finden Sie unter den folgenden Artikeln:
- Beschreibung und biblische Bewertung der Esoterik/Spiritualität
- Der Sündenfall – Die Geburtsstunde der Esoterik/Spiritualität
- Esoterisch-spirituelle Kräfte und Energien
- Der Mensch aus spirituell-esoterischer und aus biblischer Sicht
- Gott aus spirituell-esoterischer und aus biblischer Sicht
- Krankheit aus spirituell-esoterischer und aus biblischer Sicht
- Esoterik/Spiritualität und Wissenschaft
- Gefahren der Esoterik/Spiritualität
- Esoterik/Spiritualität ist Okkultismus
- Gemeinsamkeiten von Esoterik/Spiritualität mit der Magie
- Analogien der Esoterik/Spiritualität zum christlich-biblischen Glauben
- Der biblische Antichrist – Der größte Esoteriker aller Zeiten
- Der Vater der Esoterik/Spiritualität
- Ist die Esoterik christlich?
- Gnosis – Esoterik im Neuen Testament
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